HELLP-Syndrom – Was ist das?

Eines der schwerwiegendsten Krankheitsbilder in Zusammenhang mit der Gestose ist das HELLP-Syndrom, das eine starke Leberfunktionsstörung mit sich bringt. Auch wenn die Bezeichnung “HELLP” im Vergleich zum englischen Wort für Hilfe – help – einen Buchstaben zu viel mit sich trägt, darf man die Abkürzung ruhig auch in dieser Hinsicht interpretieren: Durch seinen oft sehr plötzlichen Eintritt, massive Beschwerden und die Möglichkeit gefährlicher Komplikationen ist das HELLP-Syndrom eine Erkrankung, die sofortiger ärztlicher Hilfe Bedarf und auch nur beim leisesten Verdacht umgehend abgeklärt werden muss.

HELLP Abkürzung für Anzeichen im Blut

Der Begriff “HELLP” ist die Kombination aus den drei Faktoren, an denen der Arzt das Syndrom diagnostizieren kann:

  • “H” steht für “Hämolyse”. Hier handelt es sich um eine Auflösung der roten Blutkörperchen, also um den sogenannten Blutzerfall. Übersteigt das Tempo des Abbaus das der Neubildung, rutscht der Patient immer weiter in eine Anämie, die Blutarmut. Bei HELLP-Patientinnen spricht man deshalb von der sogenannten hämolytischen Anämie.
  • “EL” kommt vom englischen Begriff “elevated liver function tests”. Bei HELLP kommt es zu einer pathologischen Erhöhung der Leberwerte, die über eine einfache Blutentnahme festgestellt werden kann.
  • “LP” ist die Abkürzung für die englische Bezeichnung “low platelet counts”. Das bedeutet, das die Anzahl der Blutplättchen der Patientin auf krankhafte Weise reduziert sind.

Weil alle diese drei Parameter über eine einfache Blutuntersuchung zu diagnostizieren sind, spricht man auch von der sogenannten laborchemischen Trias.

Plötzlicher Symptomeintritt

Die Hauptsymptome des HELLP-Syndroms sind durch die Patientin von einem Magen-Darm-Infekt oder einer Gallenkolik oft nicht sicher zu unterscheiden – ein weiterer Grund, bei Unklarheiten den Arzt hinzuzuziehen! Charakteristisch ist ein Schmerz im Oberbauch, der oft eher an der rechten Seite lokalisiert ist und mitunter sehr heftig ausgeprägt sein kann. Übelkeit und Erbrechen sind weitere klassische Symptome des HELLP-Syndroms. In manchen Fällen kommt Durchfall hinzu, der die Patientin ebenfalls nicht auf die falsche Fährte eines vermeintlichen Darminfekts führen darf.

Der schnelle Eintritt der Symptome ist ein weiteres Indiz für HELLP: Nicht selten dauert es weniger als eine Stunde, bis sich bei der Patientin die Symptome entwickelt haben. So ist es nur logisch, dass Blutuntersuchungen in regelmäßigen Abständen ein HELLP-Syndrom oft nicht erfassen können – und im Gegenzug darf sich eine Frau in der fortgeschrittenen Schwangerschaft, die HELLP-Symptome bemerkt, auch nicht auf eine Blutkontrolle vor Tages- oder gar Wochenfrist verlassen.

Nicht immer sind die Anzeichen von HELLP derart massiv ausgeprägt, dass man einen Notfall vermuten würde. Deshalb ist es wichtig, vor allem in der Schwangerschaft das HELLP-Syndrom als schwerwiegende Verlaufsform der Präklampsie im Hinterkopf zu behalten und immer durch eine einfache Blutuntersuchung ausschließen beziehungsweise bestätigen zu lassen. Vor allem gilt das für den Fall, dass den typischen Symptomen ein Blutdruckanstieg vorausgegangen ist: Ein plötzlich gestiegener Blutdruck ist nicht selten das erste Anzeichen für das HELLP-Syndrom.

Wichtig zu wissen ist zudem, dass dem HELLP-Syndrom keine Präklampsie vorausgegangen sein muss. Auch bestehende Vorerkrankungen oder eine genetische Disposition können zur Ausbildung dieser Erkrankung führen – vor allem dann, wenn sie nicht erst in den letzten Wochen einer Schwangerschaft auftritt.